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We Mourn the Passing of Tamar Landau
Ich begegnete Tamar zum ersten Mal im Fahrstuhl des Beit Moses während meines Freiwilligendienstes mit ASF in Jerusalem 2016/17, kurz nach dem Tod ihres Mannes. Wie es ihre Angewohnheit war, trug sie noch im Haus für einige Momente ihre Sonnenbrille. Sie war cool, manchmal sehr witzig, immer freundlich und aufmerksam, eine souveräne Gastgeberin. Sie wurde mir zur Freundin. Eine Freundschaft mit Tamar Landau ist eine große Gnade.
Geboren als Berta Hochbaum am 12. Februar 1931 in Beuthen, Oberschlesien, überlebte sie Auschwitz, Flossenbürg und den weiteren Todesmarsch nach Bergen-Belsen. Kurz nach der Befreiung des Lagers starb ihre etwas ältere Cousine, die sie die Jahre über behütet hatte. Im Alter von 14 Jahren war Tamar als einzige Überlebende ihrer Familie allein. 1946 kam sie unter der Leitung des britischen Brigade-Soldaten Elijahu Ben Yehuda mit anderen Waisenkindern aus Bergen-Belsen, darunter auch ihr späterer Ehemann Simcha Landau, erst auf das Anwesen der Familie Warburg nach Hamburg-Blankenese und später nach Eretz Israel. Sie wurde Erzieherin, Mutter und Reiseführerin. Unzählige Gruppen Deutscher führte sie auch durch Yad Vashem. Zusammen mit Simcha und später mit ihren Söhnen, ihrer Tochter oder Enkeltochter teilte sie bei Zeitzeugengesprächen in Israel und Deutschland ihre Erinnerungen. Zum Film „Die Kinder von Blankenese“ und Gespräch begegnete sie auch ASF-Gruppen. Sie stand Rede und Antwort, zugewandt und offen für jede Frage, gewillt zu erklären, zu vermitteln und zu versöhnen.
Von einer Antwort möchte ich berichten. Erst als Freiwillige lernte ich, dass so wie Tamars Cousine viele die Tage der Befreiung nicht überlebten. Auch lernte ich, dass manche das Erlebte nur schwer verkrafteten und später selbst ihr Leben beendeten. Mit klopfendem Herzen fragte ich also einmal Tamar: „Warum hast Du weitergelebt?“ Darauf strahlte sie mich mit ihren blauen Knopfaugen, die sie gern noch mit bläulichem Lidschatten betonte, an und antwortete: „Weil das Leben schön ist.“
So war es. Ein schweres und schönes Leben. Sie liebte es.
Vor etwa einem Jahr zum Zikaron BaSalon („Erinnerung im Wohnzimmer“) anlässlich des Yom HaShoah Ve-HaGevurah („Tag des Gedenkens an den Holocaust und das Heldentum“) sprach sie im Beit Ben Yehuda in Jerusalem zum letzten Mal über ihr Schicksal. An diesem Tag entschied sie sich in ihren Erzählungen dafür, ihr Leben mit dem Tag der Befreiung von Bergen-Belsen, dem 15. April 1945, dessen 80-jähriges Jubiläum wir feierten, beginnen zu lassen. Denn da wurde sie neu geboren, von da an wieder als Mensch behandelt.
Sie liebte die Menschen. Es war unglaublich. Und „unglaublich“ war ihr Lieblingswort. Begegnungen mit Tamar waren von Güte, Lebensfreude und Respekt getragen. Sie hatte Geduld und ein tiefes Verständnis für den Menschen, der vor ihr saß. Tamar nahm Menschen an und glaubte an sie. Und sie liebte die Freiwilligen von ASF in Israel.
Für all das sind wir mit tiefer Dankbarkeit erfüllt. Du wirst fehlen, Tamar. Als Vorbild für das Leben, das du gewählt hast. Ein Leben als Menschenfreundin.
Carmen Judy Stamm