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Neun Gläser Wein an einem Mittwochabend – das kann eigentlich nur der ASF-Freiwilligendienst möglich machen.

Ein Bericht vom ASF-Freiwilligen Merlin Waller

Am Mittwoch waren wir bei Jonathan Livny aus dem ASF-Freundeskreis eingeladen. Schon auf dem Weg dorthin war klar: Das wird kein gewöhnlicher Abend. Der ASF-Freundeskreis ist ohnehin ein schöner Aspekt des Freiwilligendienstes – Menschen, die offen erzählen, neugierig und humorvoll sind und einem andere Seiten des Landes zeigen, auf die man selbst nie kommen würde.

 

Älterer Mann reicht zwei Jugendlichen am gedeckten Esstisch Papier; Teller, Gläser und Dips, Küche im Hintergrund.

Bei Jonathan angekommen, zeigte er uns gleich seine „kleine“ Weinsammlung. In der Küche standen etwa 60 Flaschen herum, die für ihn aber eher zum Grundstock gehören, „nichts“ sei das für ihn. Unten im Keller wurde es dann ernst: Regale voll mit Wein aller möglichen Sorten, die er aus der ganzen Welt sammelt. Und, als ob das nicht beeindruckend genug wäre, meinte er, dass rund 300 weitere Flaschen noch in Tel Aviv warten. Kein Wunder, dass er jede Woche Artikel über Wein für eine israelische Zeitung schreibt.

Trotz dieser Menge war das Ganze aber dann doch keine allzu professionelle Verkostung. Wir haben einfach zusammen Wein getrunken – mit wenig komplizierten Beschreibungen oder Fachsprache. Jeder hat mal eingeschenkt, mal geraten, mal einfach „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“ gesagt, das sei sowieso das wichtigste, meint Jonathan. Und gerade das hat den Abend angenehm unkompliziert gemacht.

Zwischendurch entwickelten sich Gespräche, die eigentlich noch spannender waren als der Wein selbst. Jonathan erzählte von seinem Vater, der von Deutschland über England nach Israel flüchtete. Er erzählte, wie er sich in den 70er Jahren für die Sowjetischen Juden eingesetzt hat und einige Monate in einem russischen Gefängnis verbringen musste. Und wir redeten über die Eigenheiten Israels, darüber, wie unterschiedlich Menschen den Alltag hier erleben und philosophierten über Religion und Glaube. Es war ein lockerer und spannender Austausch, bei dem man merkte, dass Wein manchmal einfach nur der Anlass ist, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Am Ende ging ich mit dem Gefühl nach Hause, einen dieser Abende erlebt zu haben, die man genau so nicht planen kann: Es war ein sehr herzlicher Abend mit genug Wein im Kopf, Mezze (u.a. von Jonathan selbst eingelegtem Gurken und Oliven) im Bauch, um den Nachhauseweg etwas entspannter zu machen.