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Akriba zu Gast im Beit Ben Yehuda ⚽
Was bringt euch nach Jerusalem?
Philine: Unser Besuch in Jerusalem findet im Rahmen einer Bildungsreise statt, mit dem Fokus auf Begegnung mit jungen Menschen über die Themenfelder Fußball, Fankultur und Gesellschaft in Israel. Finanziert wir unser Programm durch die PFIFF Fördermittel der DFL und der Werder Bremen Stiftung.
Was kann man sich unter Akriba vorstellen, wie sieht die Arbeit von euch aus?
Philine: Akriba ist ein Antisemitismuskritisches Bildungsprojket der Jugendbildungsstätte LidiceHaus in Bremen welches Workshops und Fortbildungsangebote für Jugendliche, junge Erwachsene und Multiplikator*innen anbietet. Über unsere Arbeit möchten wir vor allem jungen Menschen über lebensweltbezogene Themen einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Antisemitismus bieten, sie unterstützen eine eigene Haltung zu entwickeln und Handlungskompetenzen stärken.
Inwiefern hat der 7. Oktober Auswirkungen auf eure Arbeit?
Philine: Der 7. Oktober hat auch Auswirkungen auf die Bildungsarbeit in Deutschland, trotz großer geografischer Distanz ist das deutlich spürbar. Austauschräume sind in vielen Teilen verloren gegangen, Themen werden stark emotionalisiert verhandelt, Perspektiven von Betroffenen nicht gehört. Die rasant steigende Zahl antisemitischer Vorfälle spricht für sich. Grade deshalb ist es wichtig diese Räume, wenn auch nur im Kleinen, wieder zu öffnen und mit Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen.
Wie fühlt ihr euch in Israel, was sind eure ersten Eindrücke?
M: Es fühlt sich sehr surreal an jetzt in diesem viel diskutieren Land auch wirklich zu sein. Der Diskurs befindet sich nicht mehr bei Social Media oder an jeder Straßenlaterne, die von Stickern übersät ist. Der Diskurs entsteht zwischen uns, und den Leuten, die wir treffen. Ich fühle mich dabei immer wieder überrascht. Mein vorheriges Wissen über Israel fühlt sich nach Unwissenheit an, da es immer wieder widerlegt wird. Dabei war ich schon einmal in Israel, vor allem in Tel Aviv und in der Nähe von Ashkelon. Aber die Art des Leben hier greifen zu können, ist eine komplexe Angelegenheit. Das Leben geht hier weiter trotz des Krieges. Das führt dazu, dass ich mich hier sicher fühle und das Leid der Menschen nur in den Überlegungen in meinem Kopf und in Gesprächen spürbar ist.
Gibt es Dinge die euch/dich in Israel beeindrucken oder sich vielleicht vom letzten Besuch verändert haben?
Alle: Dieses Mal hat es mich noch mehr mitgenommen, wie gespalten alles ist. Eine Mosaikgesellschaft, die sich abzeichnet in der Altstadt, die aus vier Vierteln besteht und trotzdem funktioniert. Die Bedeutung von Religiosität für manche Menschen ist deutlich spürbar und so würfeln sich religiöse Menschen in der heilige Stadt zusammen. Das beeindruckt mich und wird mir durch den Aufenthalt in dieser Stadt auch nochmal viel bewusster; im Vergleich zu meiner Reise 2019. Dabei macht es mich traurig, dass die Menschen in diesem Land so viele Tragödien miterleben müssen und dass es keine Lösung für sie gibt. Diese Betroffenheit ist nach dem 07. Oktober natürlich ein neues Gefühl. Bei der Reise habe ich festgestellt, dass Israel als einzig jüdischer Staat, sich nicht in einer Woche verstehen lässt. Nichtsdestotrotz gibt es mir einen Eindruck, den ich auf keinen Fall missen möchte.
Warum ist es euch wichtig diese Reise zu machen? Und was könnt ihr zu dem Themenschwerpunkt der Reise sagen?
Nils: Mir war es wichtig diese Reise zu machen, um mir einen eigenen Eindruck von der politischen Lage in Israel zu machen und mehr über die Menschen vor Ort und ihre Perspektiven zu erfahren. Auch wenn dieser Einblick bruchstückhaft bleiben muss. Gerade vor dem Hintergrund des sehr aufgeladenen politischen Diskurses in Deutschland über Israel, der auch stark durch die Rolle als Land der Täter des Holocaust geprägt ist. Aus diesem Grund fand ich auch unseren Fokus auf den erinnerungspolitischen Umgang mit dem Holocaust in Israel und die erkennbaren Unterschiede zwischen deutscher und israelischer Erinnerungskultur spannend. Unser zweiter Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit Fußball und Fankultur in Israel. Dabei ist klar geworden, dass Fußball nochmal deutlich politischer aufgeladen ist als in Deutschland. Dadurch haben wir noch einen spezifischeren Zugang zu politischen Auseinandersetzungen in Israel bekommen, der im sonstigen politischen Diskurs keine große Rolle spielt.
Was habt ihr in dieser Woche gemacht und erlebt?
Moritz: Die Woche haben wir mit einer Tour durch die Altstadt Jerusalems gestartet und somit einen oberflächlichen Eindruck der Vielfältigkeit der israelischen Gesellschaft bekommen. Am zweiten Tag haben wir Yad Vashem besucht und im Anschluss den Shuk Mahane Yehuda. Am nächsten Tag haben wir das Beit Terezin in Givat Haim besucht und uns mit Fußball und Kultur im Ghetto Theresienstadt auseinandergesetzt. Die ersten Tage unserer Reise standen also im Zeichen des Auseinandersetzung mit der Shoah und dem Austausch mit verschiedenen Personen über Gesellschaft und gesellschaftliche Entwicklungen in Israel. Dabei haben wir viele verschiedene Perspektiven kennen gelernt, die uns so noch nicht bekannt waren und neue Blickwinkel eröffnet haben. Am Freitag hat sich dann der Fokus ein wenig verändert. Wir haben uns bei einem Besuch des Teddy Stadiums mit der Arbeit von Hapoel Jerusalem beschäftigt und über die soziale Verantwortung die den Verein ausmacht erfahren. An Shabbat haben wir uns Zeit genommen uns mit den bisherigen Eindrücken zu befassen und zur Ruhe zu kommen. Sonntags sind wir zum Auswärtsspiel von Hapoel Jerusalem gefahren und haben einen Einblick in Fußball und Fankultur in Israel bekommen.
Was nehmt ihr aus der Reise mit ? Welche Eindrücke waren besonders prägend und sind vielleicht auch für zukünftige Arbeit in Deutschland relevant?
Moritz: Wir nehmen mit dass es viele verschiedene Blickwinkel auf die Situation seit dem 07. Oktober gibt und es “die” israelische Perspektive einfach nicht gibt und das ist auch gut so. Hinzukommt dass man auch nach einer Woche erst am Anfang eines Verstehens dieser Gesellschaft steht und noch so viele Dinge nicht weiß. Ansonsten haben wir einen neuen Blickwinkel auf den Umgang mit der Shoah bekommen der unbekannt aber wertvoll war und sich zum europäischen Blickwinkel unterscheidet. Das gepaart mit den verschiedenen Perspektiven verschiedener Gruppen und Einzelpersonen macht das ganze für uns in Deutschland insofern relevant, als dass man verstanden hat das man eigentlich nichts verstanden hat und ein Verstehen ein fortlaufender und niemals abgeschlossener Prozess ist. Somit regen einen viele offene Fragen zum stetig weiter lernen und auseinandersetzten an.